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| | |-+  Ein reingeschmeckter Freiberger in Brasilien
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Autor Thema: Ein reingeschmeckter Freiberger in Brasilien  (Gelesen 1360 mal)
palmeira
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richtig- ich lese jetzt FreiMönch


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« am: 26 März 2006, 19:41:35 »

Ich weiss, ist kein Thema was den Stadtteil betrifft. Vielleicht macht es das Forum etwas bunter und es gibt ein paar Interessierte. Zu schreiben gäbe es viel, es würde aber das Forum sprengen.
Fange ich mal so an, was weiss man über dieses Land oder wem interessierts überhaupt, hat man genug oder ein wenig, gewollt oder ungewollt, Problem´chen.
Früher wusste ich nur, es gibt den Amazonas, TV brachte ein bischen vom Karneval rüber. Ja und wie schrecklich, holzt man den Amazonas ab und man war entrüstet darüber. Natürlich, es gibt da auch noch Rio und Sao Paulo.
Flugzeit Stuttgart- Paris – Sao Paulo 12 Std. mit Umstieg in Paris. Bis Curitiba, Landeshauptstadt des Bundestsaates Paraná, nochmals eine Flugstunde. Einreisen kann man mit gültigen Pass und sich drei Monate im Land aufhalten. Ich lebe Hier mit Permanent Visum, Heirat – Familien- zusammenführung, seit Ende April 2001.
Brasilien, so gross wie ganz Europa. Allein das Bundesland Paraná ist fast so gross wie ganz Deutschland. Von Rio in den Amazonas braucht man acht Stunden Flug. Erst eine Woche Hier, wollte ein Stuttgarter wissen, was  ich schon alles von Brasilien gesehen habe. Da muss man schlucken, musste ich mich erst einmal einleben. Dachte man ich mache Hier ´ne Albwanderung und ich lebe Hier in ´ner Bambushütte. Naja ... 
Fange ich mal in Steno so an. Ab Sao Paulo nordwärts wird es wärmer/heisser da es zum Äquator geht.  Dort leben mehr Andersfarbige. Allgemein denkt man, Brasilianer sind dunkelfarbig. Stimmt nicht! Portugiesen brachten in der Kolonialzeit Sklaven aus Nigeria ins Land. Diese vermischten sich mit den Indianer, später auch mit den “Weissen”. Desto weiter man in den Süden geht, desto “weisser” wird die Bevölkerung, Klima  wird “europäischer”. Klima, ich kenne kein Schnee und Eis mehr. Im Winter, nur noch Regen und kräftige Gewitter. Im Sommer sind 30-40 Grad normal. Von meinem Ort bis Curitiba sind es 79 Km, nach Sao Paulo an die 600 Km und Rio um die 1000 Km. Bahnverkehr gibt es Hier kaum, man benutzt Busse und Flugzeug. Bis zum Meer brauchen wir knapp 200 Km, zum Küstendschungel 100 Km.
Hochhäuser kennt man nur in den Grostädten, allgemein hat man sein Stück Land mit Häuschen oder Haus. Oder man mietet es. Meistens so um die 300 qm Fläche. Bauweise der Häuser, von einer “Holzhütte” bis zum Luxusbau. Wir sind von Curitiba aufs Land gezogen da meine Frau eine Stelle als Leiterin einer Familien- und Fürsorgestation angenommen hat. Umgezogen sind wir Hier in den knapp fünf Jahren viermal, bis ich das für uns passende Haus gefunden habe. Jedesmal muss ich schlucken wenn ich die Bauweise sehe, vorallem beim Dachstuhlbau, Verlegung von Elektrik und Telefon. Heute, seit knapp zwei Jahre, lebe ich recht zufrieden. Knapp 800 qm mit zwei Häuserchen. Elektrik und Telefon kommt als Überlandleitung in jedes Haus. Stromsperre, fast normal. Bei Gewitter oder bei besten Sonnenschein. Wasser, hat man einen Anschluss, wird es ins Haus gepresst. Unter dem Dachstuhl hat man einen Tank. Bei Einzug habe ich mir die Genehmigung von Besitzer geholt und kann Heute schalten und walten im Haus und Grundstück wie ich will. Ein Kündigung brauchen wir nicht zu befürchten, selbst wenn allgemein ein Mietvertrag Hier nur bis zu einem Jahr Gültigkeit hat. Mietpreis, also was ich damals in Kornwestheim für 26 qm Apartment zahlte dafür kann ich Hier drei Häuser mieten.
Wie lebt es sich so, was vermisst man! Dosenmilch für mein Kaffee, gewohntes Sauerkraut für mein Eisbein vermisse ich, kennt man Hier nicht. Doch an sonsten, fast alles gleich wie beim Aldi oder Lidl. Mit einer Ausnahme, einige unbekannte Früchte, wirklich alles frisch. Zumal rund herum grosse Farmen sind. Was isst man so Viel Bohnen, Soja und Reis. Bohnen allmöglicher Color und Grösse, Reis und Soja aus eigenen Anbau. Brot wird Hier anders gebacken, meine Weck´n sind gleich wie in Stuttgart. Fleisch, das Vieh steht Tag und Nacht auf den Weiden. Fisch bekommt man Hier jeden Tag fangfrisch. Alle Grössen, zum kochen und grillen. Wir machen ein- bis zweimal im Monat Grosseinkauf, der wird uns für ein paar Cent ins Haus gebracht meistens samt uns. Überhaupt oder allgemein, brauchen wir was bestimmtes genügt meistens ein Anruf und es kommt gratis ins Haus. Beispiel mein “Kaffeewasser” oder Gas da wir mit Gas kochen, oder geht’s um Baumaterial. Einkaufszeiten, fast wie damals in Old Germany. Mittags schliessen ein paar Krämerläden, Samstagmittag wird der Bürgersteig hoch gklappt. Um die Ecke kann man aber auch Sonntagmittag noch einkaufen. Zum leben ist alles vorhanden, nur wenns um spezielle Sachen geht, man Ansprüche stellt, kauft man besser im Internet in Sao Paulo oder Rio. Beispiel Hifi, Foto oder richtige PC Soft- und Hardware. Fast vergessen, die Halbe! Fliegerbier, meistens Dosenbier. Wir lassen uns, zum Glück, Flaschenbier ins Haus kommen. Oder kaufen in Curitiba unser Paulaner.
Strassenverkehr, also mein Führerschein habe ich mir erst gar nicht umschreiben lassen. Dies sagt eigentlich schon alles!  Es gibt zu viele Blinde und ich will noch ´ne Weile leben wollen. Man kennt zwar Zebrastreiben, naja schöne weisse Farbe. Radtour machen, auf den grossen Strassen unmöglich. Übers Land ebenfalls nicht so einfach, da allermeistens alles Privatbesitz ist. Gehe ich mit den Hunden raus, man kennt mich und so kann ich meilenweit laufen. Überhaupt, bis ich mal jemanden zu Gesicht bekomme. Und wenn, dann sind es Rinderhirten auf Pferd.

Gesundheit, also ich kenne noch nicht einmal mehr Grippe seit ich Hier bin und Fieber ebenfalls nicht. Asperin brauche ich nur noch wenn ich zulange an PC hocke. Hier gibt es andere Plagegeister! Moskito (Mücken) und Flöhe die besonders deutsches Blut gern mögen. Mücken über all dort wo es stehendes Wasser gibt. Flöhe an und auf den Weiden, oder durch streuende Hunde. Die kurzzeitige Plageperiode ist, wenn der Sommer beginnt. Chemie setzt man Hier nicht so wie in Deutschland/Europa ein. Nur wo es wirklich notwendig ist, also auf seinem Grundstück. BIO ist Hier keine besonderes Schlagwort.

Zum Schluss auch noch zum Thema Kriminalität. Bei mir Hier im Ort, ab und zu. Drogen plus Mord, Diebstahl, illegaler Waffenbesitz, Betrug. Drug Dealer gehen Hier zur Sache, wer sich mit denen einlässt ist selbst schuld. Ich meine damit Schulden begleichen ect., da fackeln die nicht lange. Polizei, wir haben unsere Erfahrung mit der, höre ich nur das Wort winke ich ab. Wer uneingeladen auf meine Grundstücke kommt, bekommt von unseren Hunden die Ausladung. So einfach ist dies! Kommt jemand auf meinem Gelände und durch die Hunde zu Schaden, ist er selbst schuld. Nennt sich Hier Selbstverteidigung und keiner will dann was von mir! Ich selbst trainiere unsere Hunde und nicht etwa in protugiesischer Sprache. Doch insgesamt gesehen, wir leben Hier wirklich sehr ruhig. An der Haustür wird nie etwas gegeben. Meistens geht’s um ein paar Cent für den Buss, womit im Grunde Alkohol gemeint ist. Unterstützen wir Arme, gehen wir zu bestimmten Stellen.

Doch ich betone, ich spreche nur von dem was ich erlebe, selbst sehe und selbst erfahre. Um über Brasilien insgesamt reden zu wollen  braucht man zwei drei Leben. Ich kenne einige Deutsche und deutsche Internetseiten  die Stuss schwätzen oder Schwachsinn verbreiten.

Dies wäre es was ich so zu erzählen habe. Ist zwar nicht ausfürlich aber mal so ein kurzer Überblick.
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Heiko Siebert
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The only easy day was yesterday


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« Antworten #1 am: 26 März 2006, 23:38:25 »

Ich weiss, ist kein Thema was den Stadtteil betrifft...

Die Rubrik heißt ja nicht umsonst 'Tratschecke'  Grin Allerdings ist das Geschriebene so komplex, das ich erstmal einige Anläufe brauche um alles zu lesen... aber... ich tu's, versprochen  Wink
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(¯`·._ (¯`·._-=- The only easy day was yesterday -=-_.·´¯)_.·´¯)
Claudinsche
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Claudinsche


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« Antworten #2 am: 02 Mai 2006, 14:47:44 »

Zitat
Die Rubrik heißt ja nicht umsonst 'Tratschecke' Grin Allerdings ist das Geschriebene so komplex, das ich erstmal einige Anläufe brauche um alles zu lesen... aber... ich tu's, versprochen Wink

... und ich hab es auch getan... ich habe den Bericht gelesen, das war ja echt spannend *dickeslobverteil* ich bewundere jeden, der den Mut hat, auszuwandern, ich hab den Schneid nicht und bin froh wenn ich in meinem geliebten Schwabenland bleiben kann.
Wie wäre es denn mal mit ein paar schönen Fotos??
Bis demnächst wieder, lieben Gruß Claudi
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Traumi68
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Marina und Claudi auf dem Freiberg


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« Antworten #3 am: 02 Mai 2006, 16:38:35 »

hallo reingeschmeckter Freiberger,Deine Worte gefühle und deim Empfinden über dein jetziges Land Brasilien fand ich wunderbar und konnte es mir bildlich vorstellen!Ich würde so gerne auch auswandern.Ein neubeginn machen,vorallem der gesundheit zu Liebe!ich denke meine Rückenschmerzen und sonstiges wäre viel viel besser!Ich war früher viele jahre in Spanien,wenn auch nur zum Urlaub,aber so lernt man ja auch die mentalität und ihre Eigenarten des landes kennen!Aber meine partnerin möchte nicht mit mir wegziehen,zudem das die Kinder sofort mitkämen!Naja dann eben im zweiten leben..... Grin
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